Futter für das Kaninchen

Die Nahrungsaufnahme hat beim Kaninchen einen hohen Stellenwert. Als Pflanzenfresser ist es nämlich darauf ausgerichtet, verhältnismäßig viel Futter aufzunehmen, um daraus genügend verwertbare Nährstoffe zu ziehen. In menschlicher Obhut bekommt das Kaninchen nicht selten ein Überangebot an Futter, der Handel präsentiert immerhin eine wahrhaft üppige Auswahl an Futtermittel und Leckerli für Hauskaninchen.

Kaninchenfutter

Um zu selektieren, was in der Welt der Kaninchen zu einer gesunden Ernährung zählt und was als Fastfood nur in begrenzten Maßen verfüttert werden sollte, hilft der Blick in die natürliche Speisekammer des Kaninchens. Beachtung finden sollten zudem auch die Besonderheiten der Verdauung und das Fressverhalten unserer Kaninchen, nicht zuletzt muss der Bezug zu den jeweiligen Nahrungsbausteinen und ihren Anteilen in der Kaninchennahrung hergestellt werden.

Kurioser Verdauungstrakt

Rund ein Viertel des gesamten Kaninchens ist dem Verdauungstrakt vorbehalten, der zudem etwa 20 Prozent des Kaninchengewichts ausmacht. Im Vergleich zu anderen Pflanzenfressern ist das Kaninchen dabei mit einigen Besonderheiten gesegnet. So durchläuft der Futterbrei relativ schnell den Verdauungstrakt, was für Pflanzenfresser eigentlich nicht üblich ist. Nur 7 Stunden dauert es, bis die aufgenommene Nahrung als kleine Kotkügelchen wieder ausgeschieden wird – nur zum Vergleich: Bei einer Kuh dauert die Magen-Darm-Passage fast drei Tage!

Wichtig für die Verdauung ist zudem, dass immer Nahrung „nachgeschoben“ wird, weil der Darm des Kaninchens nur relativ schwach bemuskelt ist. Der Weitertransport des aufgenommenen Futters funktioniert also beinahe rein mechanisch. Ein hoher Faseranteil hilft dem Darm dabei, die Aufgabe des Weitertransports zu bewältigen. Die Pflanzenfasern ernähren zudem die Bakterienflora des Darms und sorgen für die Energieversorgung des Körpers.

Faserreiches Kaninchenfutter bevorzugen

Wichtig für die Nährstoffversorgung (insbesondere der Versorgung mit Aminosäuren, B- und K-Vitaminen) ist zudem das Fressen von Blinddarmkot. Je nachdem, wie viel Energie und Eiweiß im Kaninchenfutter enthalten ist, desto mehr oder weniger vom Blinddarmkot nimmt das Kaninchen auf.

Fasern sind als Kaninchenfutter gefragt

Die ideale Kaninchennahrung sollte dem natürlichen Futter des Kaninchens möglichst nahe kommen. In der Natur fressen Kaninchen hauptsächlich Gräser und Kräuter. Dieses natürliche Kaninchenfutter besteht zu einem Großteil (25 bis 30%) aus faserreichen Bestandteilen, die zudem eine gute Portion (etwa 15%) Eiweiß bieten und mit einem geringen Anteil (rund 3%) an Fett versehen ist.

Heu als Futter

Im Fertigfutter für Kaninchen finden sich hingegen zahlreiche Körner, die dem Hauskaninchen zwar klasse schmecken, aber viel zu energiereich und rohfaserarm sind. Echte „Kaninchenchips“ eben, die auch beim Kaninchen schnell zu Hüftgold führen.

Ideales Kaninchenfutter

Das beste Kaninchenfutter besteht somit zu einem Großteil aus Gras und Heu, wobei auch hier auf einiges geachtet werden muss, um das Hauskaninchen ausgewogen zu ernähren.

Heu als Futter für Kaninchen

Wer nun meint, ein englischer Rasen sei das Kaninchenparadies schlechthin und für eine gesunde Ernährung völlig ausreichend, der liegt falsch. Auch Kaninchen wollen Abwechslung auf dem Speiseplan und eine Ernährung mit vielen verschiedenen Grassorten und dem ein oder anderen Leckerbissen sieht eben anders aus, als ein gepflegter Vorgartenrasen!

Heu als Basisfutter

Gräser und Kräuter von der Wiese

Kaninchenfastfood macht dick

Wie die Erfahrung zeigt, sind viele Hauskaninchen zu dick. Zwar befassen sich zahlreiche Untersuchungen mit dem Ernährungsbedarf unserer hoppelnden Vierbeiner, allerdings befasst man sich hierbei fast ausschließlich mit den typischen Stallkaninchen. Jene, die zur Zucht eingesetzt werden und ihr Leben nahe an den natürlichen Witterungseinflüssen im Außenstall verbringen. Nicht nur die Zuchtnutzung, auch die klimatischen Bedingungen schrauben den Energiebedarf dieser Kaninchen verständlicherweise in die Höhe.

Das als Heimtier gehaltene Hauskaninchen ist in seinem Nährstoff- und Energiebedarf deutlich genügsamer. Fertigfutter für Kaninchen ist dabei in der Regel zu hochwertig und überfordert die Bedürfnisse unserer Mümmelmänner entsprechend. In freier Natur leben sie nämlich in Gebieten, die üppig mit nährstoffarmen Gräsern und Kräutern bedacht sind, dafür aber weniger mit reichhaltigem Powerfutter, wie sie durch Kaninchenfertigfutter geboten bekommen. Die Ernährungsbedürfnisse der Kaninchen werden hierdurch viel zu schnell befriedigt, während die Kautätigkeit ins Hintertreffen gelangt. Anstatt über den Tag verteilt 100 bis 120 kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, gibt es den schnellen Energiekick, der auch noch satt macht.

Unsere Kaninchen befassen sich dadurch nicht mehr hauptsächlich mit Mümmeln, sondern fangen an sich zu langweilen – und nagen nicht selten an Gegenständen, die nicht für ihre Zähne und schon gar nicht für ihre Verdauung bestimmt sind. Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Aggression sind aber nicht die einzigen Nachteile, die energiereiches Kaninchenfertigfutter zu bieten hat. Hinzu kommen, neben der Gewichtszunahme, auch noch Verdauungsprobleme, da die hochwertige Fertignahrung viel zu lange im Darm verweilt.