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Haltung von Kaninchen

Obwohl das Kaninchen sehr anspruchslos in Bezug auf seine Haltung ist, so müssen doch seine teilweise recht spezifischen Bedürfnisse bei der Haltung in menschlicher Obhut beachtet werden. Hierzu ist ein Blick auf die natürliche Lebensweise des Kaninchens, ein kurzer Abstecher in die Anatomie und natürlich ein Mindestmaß an Kaninchensprache nötig. Nur, wer weiß, welche Bedürfnisse ein Kaninchen hat, der kann es auch artgerecht halten. Dabei spielt die Haltungsform an sich, ob Indoor oder Outdoor, sicherlich nicht die entscheidende Rolle. Das Hauptaugenmerk sollte einzig und allein auf der Artgerechtigkeit liegen.

Die artgerechte Kaninchenhaltung

Zu einer artgerechten Kaninchenhaltung gehört aber nicht nur die optimale Unterbringung, sondern auch die Erfüllung sämtlicher anderer Bedürfnisse – und davon hat ein Kaninchen viele.

Gesellig und Kommunikativ

Im Gegensatz zu Hasen leben Kaninchen nicht als Einzelgänger. In freier Wildbahn lebt das Kaninchen in Gruppen, die zumeist aus Familienmitglieder bestehen und eine Stärke von 6-12 Tieren aufweisen. Sowohl die männlichen Tiere (Rammler), als auch die weiblichen Tiere (Häsin) haben dabei jeweils einen Anführer. Aus den Anführern beider Geschlechtsgruppen ergibt sich in der Regel auch der meiste Nachwuchs – nur die starken überleben und sichern den Fortbestand der Art.

Kommunikative Kaninchen

Zwar bestehen durch die Domestikation einige Unterschiede zwischen Hauskaninchen und Wildkaninchen, diese sind jedoch eher „unwichtiger“ Natur und der menschlichen Obhut geschuldet. Hier kommen die Hauskaninchen schon seit langer Zeit ohne Feinddruck aus, was ihr Schutz- und Verteidigungsverhalten beeinflusst hat. Ebenso ist die Kaninchenhaltung in Gefangenschaft in der Regel mit Bewegungseinschränkungen behaftet, wonach sich auch hier im Laufe der Zeit Änderungen von Wild- und Hauskaninchen ergeben haben. Ohne Gesellschaft leben zu können, das hat die Domestizierung allerdings nicht geschafft! Demnach verbietet sich die Haltung nur eines einzelnen Kaninchens von selbst.

Kaninchen lassen sich übrigens nicht nur mit Artgenossen zusammen halten, sondern auch mit anderen Hausgenossen vergesellschaften. Nicht selten entstehen aus solchen „Zwangsehen“ lebenslange Freundschaften! Bei der Vergesellschaftung gilt es allerdings, einige Spielregeln zu beachten und keine Partnerschaften erzwingen zu wollen, das gilt vor allem für gleichgeschlechtliche Zusammenführungen von Kaninchen.

Aus seiner Geselligkeit heraus ergibt sich beim Kaninchen zudem ein sehr umfangreiches Verhaltens- und Kommunikationsrepertoire. Ein wenig „Kaninisch“ zu lernen, schadet daher keineswegs. Es ist gar nicht so schwer und erleichtert den harmonischen Umgang mit den Langohren ungemein. So lassen sich nicht nur Probleme in der Mensch-Tier-Beziehung vermeiden, sondern auch Stress unter Artgenossen frühzeitig erkennen und sinnvoll entgegenwirken.

Vierbeinige Architekten

Auch die natürliche Lebensweise unserer Kaninchen sollte genauer unter die Lupe genommen werden, damit das Tier auch in Gefangenschaft seinen kongenitalen Bedürfnissen nachkommen kann. Die bestehen nämlich nicht nur aus der Möglichkeit, Sozialkontakte zu pflegen, sondern auch darin, seiner Lebensweise so nachzugehen, dass sie den natürlichen Verhältnissen weitestgehend angepasst ist.

Simulierter Tunnel im Kaninchenstall

Ein gar nicht so einfaches Unterfangen, wenn man sich das Leben dieser vierbeinigen Architekten in der Natur einmal genauer ansieht. In ihrer natürlichen Umgebung bewegen sich einzelne Kaninchen-Gruppen auf einem riesigen Areal von rund 20 Hektar. Dabei graben sie Tunnel nach Herzenslust, mitunter bis zu 40 Meter lang und bis zu einer Tiefe von etwa 2 Metern.

Aber nicht nur unterirdisch dürfte der Blick aufs Wildkaninchen faszinieren, auch an der Erdoberfläche überraschen sie mit ihrem Tun. Dort schlagen sie aus heiterem Himmel Kapriolen, nehmen problemlos Hürden von einem halben Meter Höhe in Angriff oder legen kurze Sprints mit berauschenden Geschwindigkeiten hin – bis auf 40 km/h bringt es ein Kaninchen, wenn es die Möglichkeit dazu hat.

Damit sich das Kaninchen auch in Gefangenschaft austoben kann und nicht mit Verhaltensauffälligkeiten reagiert, muss für entsprechenden Ausgleich gesorgt werden. Das kann angesichts seiner natürlichen Lebensbedingungen zwar immer nur ein Kompromiss sein, die Domestikation hat hierbei allerdings schon ein wenig die Finger im Spiel!

Scharfe Zähne, sensible Verdauung

Nicht zuletzt muss auch die Fütterung auf das Nagetier Kaninchen zugeschnitten sein – und da unterscheidet sich das Hauskaninchen in Nichts von seinen wildlebenden Artgenossen – Evolution hin oder her. Hierin stellt sich der Mümmelmann jedoch als ausgesprochen anspruchslos heraus. Dennoch wünscht auch er ein gewisses Maß an Abwechslung, nicht zuletzt, um ihn mit allen Nährstoffen ausgewogen und gesund zu ernähren. Auch seinen ständig nachwachsenden Zähnen, dem spezifischen Verdauungstrakt und den Besonderheiten bei der Nahrungsaufnahme muss in diesem Hinblick Rechnung getragen werden. Hier sollte ein Blick zu den Wildkaninchen helfen, auch bei der Haltung von Hauskaninchen die richtige, naturnahe Futterauswahl zu treffen.